Schnadgang


Als die Einwohner von Westernkotten 1571 versuchten durch ein Gerichtsurteil Weiderecht in der Erwitter Feldflur zu erhalten, legte der Erwitter Gograf (= Richter) Protest ein. Alljährlich zog deshalb die ganze Gemeinde hinaus, um durch den Erwitter Schnadgang Nutzungsansprüche ihre und Ortsgrenzen öffentlich zu dokumentieren.

Unser Flyer zum Schnadgang in Erwitte.
Der älteste erhaltene Erwitter Schnadstein stammt aus dem Jahr 1693. Rechts: Siegel des Gogerichtes Erwitte aus dem Jahr 1623.

Behördliche Abschaffung des Brauchtums

Nach der Einführung des Grundsteuerkatasters 1817 wurde diese Form der Grenzbeschau per Verfügung des preußischen Innenministeriums für nicht mehr notwendig erklärt und 1841 sogar gänzlich verboten.

Wiederbelebung der Tradition und das Poahläsen

Im Jahr 1969– genau 250 Jahre nach einem überlieferten Schnadprotokoll von 1719 – fanden sich einige Erwitter zusammen, um dem alten Brauch erstmals seit Jahrzehnten wieder nachzukommen. Zuerst von der Stadt Erwitte organisiert, übernahm der 1973 gegründete Heimatverein Erwitte fortan die Durchführung– bis heute. Beim sog. »Poahläsen« werden erstmalige Schnadgänger und »Neubürger« dreimal mit dem Gesäß (= Äs) auf den Grenzpfahl (= Poahl) gestoßen. Dieses Vorgehen soll bei den Betroffenen einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen: „Damit Du nicht vergisst, dass hier die Grenze ist.“

»Der alte Schnadstein«

Zu Erwitte meldet froh die Kunde,
dass ich hier stehe bis zur Stunde.
Als treuer Wächter, Schutz und Hort,
an dem mir anvertrauten Ort.

Viele Jahre ich schon stand,
hier auf weitem Ackerland.
Die Ortsgrenzen ich bewacht,
treulich so den Dienst vollbracht.

Ob bei Sturmwind und Gewitterschall,
oder der Geschütze Donnerknall.
Stehe treu und fest wie eh und je,
bei Blütenpracht, bei tiefem Schnee.

Den Bauern in Wald und Feld,
den Wanderer der kurz innehält,
viele Generationen ich schon sah,
zum Schnadgang war´nsie alle da.

Und ferner werd´ich noch wachen,
mag´s oben blitzen oder krachen.
Steh hier im Sturm und Sonnenschein,
so soll´s auch in Zukunft sein.

                                     Kai Günther (2022)