Erwitte - Buch zum Zementarbeiterstreik
"1975, fast am Ende des sogenannten »Roten Jahrzehnts«, wurde in einer Kleinstadt, dem westfälischen Erwitte, Gewerkschaftsgeschichte geschrieben. Ein Teil der 150 Beschäftigten des dortigen Zementwerkes Seibel & Söhne – viele hatten in harter verschleißender Arbeit und bei überlangen Arbeitszeiten das Werk nach dem Krieg wiederaufgebaut – fanden sich plötzlich auf einer Entlassungsliste. Der Unternehmer reagierte damit auf die Folgen des Preiskriegs in der Zementindustrie. Das selbstherrliche Auftreten und der respektlose Umgang des Firmenchefs Clemens Seibel mit seiner „Gefolgschaft“ veranlasste die Arbeiter zu einem außergewöhnlichen Schritt: Sie besetzten den Betrieb. Das war die erste Betriebsbesetzung in der Geschichte der Bundesrepublik. Wir haben zentrale Dokumente dieses Arbeitskampfes zusammengetragen, der auch ein Angriff auf das alleinige Verfügungsrecht des Unternehmers über sein Kapital war. Im Laufes dieses Konflikts wurden die Frauen der Zementwerker zu selbstbewussten Akteurinnen und begannen, ihre traditionellen Rollen zu hinterfragen. »Erwitte« löste eine Prozesslawine aus, die über ein Jahrzehnt dauerte und die Gewerkschaft IG Chemie-Papier-Keramik einen zweistelligen Millionenbetrag kostete. Ein Großteil dieser Summe im Schadensersatzprozess kann auch als abschreckende Strafe für die Verletzung der bürgerlichen Eigentumsrechte angesehen werden. Dieses Urteil blieb nicht ohne Folgen für die weitere Politik der Gewerkschaften. Es ist enthalten in der beiliegenden CD, auf der insgesamt weitere Dokumente mit über 190 Seiten zum Thema zur Verfügung stehen."
Umschlagtext zum Buch »Wir halten den Betrieb besetzt« von Dieter Braeg [Hg.], erschienen bei Die Buchmacherei (258 Seiten, Buchpreis: € 17,50 + € 1,50 (Porto + Verpackung) = € 19,-, Das o.g. Urteil ist enthalten auf der beiliegenden CD, auf der insgesamt weitere Dokumente mit über 190 Seiten zum Thema zur Verfügung stehen.
Die Buchmacherei, Postfach 61 30 46, 10964 Berlin, Fax: 030 103 29 31, diebuchmacherei@gmx.net
Ein Lied zum Zementarbeiterstreik
Fasia Jansen (* 6. Juni 1929 in Hamburg; † 29. Dezember 1997 in Oberhausen) war eine deutsche politische Liedermacherin und Friedensaktivistin. Sie erlebte schon früh Hänseleien und Ausgrenzung sowohl aufgrund ihrer Hautfarbe als auch wegen ihrer nichtehelichen Geburt. Die im Hamburger Arbeiterviertel Rothenburgsort aufgewachsene Jansen durchlebte in der Zeit des Nationalsozialismus die Probleme eines offensichtlich »nichtarischen« Menschen. Ihre an Josephine Baker orientierte Hoffnung, ihr Leben mit Musik und Tanz zu bestreiten, wurde vorerst zerstört, als sie mit elf Jahren laut Schulleiterin „aus Gründen ihrer Rasse“ aus der Tanzschule geworfen wurde. Im Jahr 1975 trat sie mit mehreren weiteren Liedermacher:innen am 1. Mai auf dem Marktplatz in Erwitte bei einer Solidaritätskundgebung für die Zementarbeiter auf.
Mehr Infos über das Leben von Fasia Jansen bekommen Sie bei Wikipedia.
